{"id":786,"date":"2019-09-02T19:03:32","date_gmt":"2019-09-02T19:03:32","guid":{"rendered":"http:\/\/new.muenchenvenedig.de\/?p=786"},"modified":"2019-09-02T19:03:32","modified_gmt":"2019-09-02T19:03:32","slug":"nachruf-ludwig-grassler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/new.muenchenvenedig.de\/?p=786","title":{"rendered":"Nachruf Ludwig Gra\u00dfler"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 22.08.2019 verstarb Ludwig Gra\u00dfler nach schwerer Krankheit in Waldram im Alter von 94 Jahren. Es trauern um ihn seine Lebensgef\u00e4hrtin Elisabeth und seine Familie und Freunde. F\u00fcr uns im Freundeskreis M\u00fcnchen-Venedig war der Begr\u00fcnder des Traumpfads ein guter Freund, Mentor und Quelle der Inspirationen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eva und ich haben Ludwig kennengelernt, nachdem wir selbst den Traumpfad M\u00fcnchen-Venedig im Jahr 2000 gegangen waren. Damals gab es keine aktuelle Literatur, der Weg war in Gefahr in Vergessenheit zu geraten. Nach unserer Tour schrieben wir einen Wanderbericht und stellten diese Notizen und weitere Informationen ins Internet. Ludwig wurde so auf uns aufmerksam, wir trafen uns und freundeten uns an. Als im Jahr 2002 die M\u00f6glichkeit bestand, den Wanderf\u00fchrer neu zu schreiben, bat uns Ludwig, diese Arbeit zu \u00fcbernehmen. Er war damals Ende 78 und wollte &#8211; so sagte er &#8211; die Zeit, die ihm noch blieb, lieber auf der Skipiste und in den Bergen verbringen als am Schreitisch. Zeitgleich erschienen dann 2003 sogar zwei Wanderf\u00fchrer, unserer und ein weiterer aus dem Dumont Verlag. M\u00fcnchen-Venedig und der Traumpfad wurden in der Folge bekannter denn je, zahlreiche Publikationen beschreiben den Weg inzwischen in Deutsch. Englisch und Italienisch. Ludwig arbeitete in all diesen Jahren unerm\u00fcdlich daran, den Weg noch popul\u00e4rer zu machen und so einen Teil seines Lebenswerks zu erhalten. Auf seinem Programm standen Vortr\u00e4ge, Filme, Treffen mit Tourismusorganisationen und H\u00fcttenwirten sowie nat\u00fcrlich die Wandertreffen am 8.8. am Marienplatz bzw. am 8.11. im Hofbr\u00e4uhaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Treffen waren auch einem anderen, weniger bekannten Teil seines Lebenswerks gewidmet, dem Fernwanderweg M\u00fcnchen-Prag. Ludwig hatte diese Wanderung beschrieben, nachdem der Fall des Eisernen Vorhangs die M\u00f6glichkeit f\u00fcr einen grenz\u00fcberschreitenden Weg \u00f6ffnete. Sein Gedanke als Teilnehmer am 2.Weltkrieg und \u00fcberzeugter Europ\u00e4er war, die alten Wege in Europa wieder zu erschlie\u00dfen, Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern zusammenzubringen und so Frieden und Verst\u00e4ndnis zu f\u00f6rdern. Ludwig gelang es auch hier, in den 2000er Jahren zusammen mit unserem Wanderfreund Burkhard Wittek einen Wanderf\u00fchrer neu herauszubringen und so diesen Weg bekannt und begangen zu halten. Der dritte Teil seines Werkes, die Isar-Loisach-Wanderung, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Als Rundwanderung von seiner Wahlheimat Wolfratshausen aus entlang von Loisach und Isar f\u00fchrt sie durch die Alpenregion, die Ludwig wie seine Westentasche kannte. Hier ist er zu Hause gewesen. Das waren die Berge, die er am meisten liebte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ludwig war einer der bedeutendsten Alpinisten unserer Zeit. Im Gegensatz zu Extrembergsteigern, die am Berg die Grenzen ihres Leistungsverm\u00f6gens f\u00fcr sich erfahren, bestand Ludwigs alpinistische Leistung darin, anderen den Weg zu weisen, ihre eigenen Grenzen zu erfahren. Oder noch besser gesagt, am Traumpfad erf\u00e4hrt der Einzelne oft, dass die eigenen Grenzen sehr viel weiter gesteckt sind als zun\u00e4chst gedacht. Diese 28 Tage am Traumpfad haben f\u00fcr viele Menschen eine T\u00fcr ge\u00f6ffnet. Man kann mehr als man denkt und braucht viel weniger als man meint. Eine lange Tagesetappe bei sch\u00f6nem Wetter, ein warmes Bett und eine Mahlzeit sind genug, um sich am Abend gl\u00fccklich zu f\u00fchlen. Allt\u00e4gliches tritt in den Hintergrund. Wir alle, die wir den Traumpfad gegangen sind, verdanken Ludwig diese Erfahrung. Sein Lebenswerk bleibt die Ver\u00e4nderung der Menschen, die Etappe f\u00fcr Etappe zu einem anderen Verst\u00e4ndnis von sich selbst und der Welt gewandert sind. Daf\u00fcr sind wir ihm f\u00fcr immer dankbar.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren lag Ludwig vor allem die Gr\u00fcndung eines Freundeskreises von M\u00fcnchen-Venedig-Wanderern am Herzen. Als Ludwigs Kr\u00e4fte schlie\u00dflich nachlie\u00dfen, \u00fcbernahm sein enger Freund Konrad Fischer den Vorsitz dieses Kreises und k\u00fcmmerte sich immer \u00f6fter und bald ausschlie\u00dflich um die Organisation von Treffen und Wanderungen. Ludwigs Erbe ist in guten H\u00e4nden. Wir alle im Freundeskreis sehen uns verpflichtet, es zu bewahren und noch vielen Menschen dabei zu helfen, den Traumpfad selbst zu erleben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcnchen im August 2019.<\/p>\n\n\n\n<p>Eva-Maria Troidl, Stefan Lenz<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 22.08.2019 verstarb Ludwig Gra\u00dfler nach schwerer Krankheit in Waldram im Alter von 94 Jahren. Es trauern um ihn seine Lebensgef\u00e4hrtin Elisabeth und seine Familie und Freunde. 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